Straßenraum von Dorff, Stadt Stolberg
Straßenraum von Dorff, Stadt Stolberg

Kulturlandschaftsraum Vennvorland

Wie ein breiter Bogen legt sich das Eifelvorland um den Norden des Deutsch-Belgischen Naturparks Hohes Venn - Eifel. Die westliche Hälfte dieses Bogens wird auch Vennvorland genannt und ist ein Bestandteil des Naturparks. Sanft gewellte Hügel und weite Grünflächen mit Milchvieh verleihen dem Vennvorland einen lieblichen Charakter und sind ideal zum Radwandern.

Die lange Tradition der Vieh- und Milchwirtschaft ließ hier ein dichtes Netz aus Weißdornhecken entstehen. Bevor nach dem ersten Weltkrieg zunehmend Stacheldrahtzäune die Hecken ersetzten, hielten ausschließlich Weißdornhecken als nachwachsende Einfriedungen die Viehherden zusammen. Im Gegensatz zu den Buchenhecken wurden sie vom Vieh wegen ihrer Dornen verschmäht. Schön anzusehen sind heute vor allem im belgischen Gebiet die bunten Weidengatter. Kleine Holzstiegen oder Durchlässe mit Pfosten aus Blaustein erlauben dem Wanderer ungehinderten Durchgang.

An den alten Häusern in den kleinen Dörfern des Vennvorlandes erkennt man das Gestein, das sonst unter dem Boden versteckt ist. Der „Blaustein“ ist das typische Baumaterial vieler alter Bauten.

Dieser devonische und karbonische Kalkstein zeugt von einem Kapitel der älteren Erdgeschichte. In lokalen Steinbrüchen bauten die Menschen diesen Kalkstein ab, um ihn für die Industrie oder den eigenen Gebrauch zu brennen. Zeugnis über das Verfahren geben die restaurierten Kalköfen bei Walheim. Bemerkenswert sind die historischen Ortskerne einiger Dörfer wie Breinig, Venwegen und Raeren.

Kalkhaltiger Boden bedeutet eine bessere Lebensgrundlage für die Pflanzenwelt. Im Bereich der Kalkvorkommen finden Sie kleinräumige Naturschutzgebiete mit artenreichen Wäldern und Magerrasen, wie an den stillgelegten Steinbrüchen in Walheim.

Außerhalb der Kalkgebiete kann man saure, lehmige bis tonige Böden finden, auf deren Grundlage sich lokal ein historisches Töpferhandwerk entwickelte. Im 16. und 17. Jh. erlebte es eine Blüte und wurde mit den Raerener Töpfermeistern weltberühmt. Die Geschichte des Töpferhandwerks ist in den Töpfereimuseen Langerwehe und der Burg Raeren dokumentiert.

Das Vorkommen von Zink und Blei im Stolberger Raum beschert uns eine weitere ökologische Besonderheit: die Galmeiflora.

Einige Pflanzenarten haben im Laufe der Evolution gegenüber diesen Metallen, die für Pflanzen giftig sind, eine hohe Toleranz entwickelt. In großen Beständen kommt z.B. das Galmeiveilchen auf solchen Galmeiböden und ehemaligen Abraumhalden des Bergbaus vor. Einige dieser Gebiete, wie der „Schlangenberg“, stehen heute unter Naturschutz. Über den historischen Zink- und Bleiabbau in diesem Gebiet und über die Besonderheiten der Naturschutzgebiete informiert Sie eine Ausstellung des Eifel- und Heimatvereins in Breinigerberg. Von hier aus werden Führungen zu den Naturschutzgebieten und historischen Bergbaugebieten angeboten.

Neben Blei und Zink wurde in der Eifel schon in vorchristlicher und römischer Zeit Eisen gewonnen. Wahrscheinlich ist es für Sie als Besucher heute sehr schwer vorstellbar, dass die stillen, idyllischen Bachtäler vor einigen Jahrhunderten vom Qualm der Schmelzöfen und dem Lärm der Hammerwerke erfüllt waren. Die Bauern sammelten Eisenstein auf den Feldern, deckten damit ihren Eigenbedarf und verschafften sich einen Nebenverdienst.

Ortsnamen wie „Mulartshütte“ verweisen auf Namen wallonischen Ursprungs wie Maulart oder Moulart und deuten auf den „Reydtmeister“, den Hüttenmeister des ehemals ortsansässigen Hüttenwerkes, hin. Im Vichttal bietet der Naturpark unter fachkundiger Anleitung Führungen an, bei denen nach Überresten dieses historischen Bergbaus gesucht wird.

Der Anstieg zum Hohen Venn, Vennabdachung genannt, wurde wegen des schlecht zu bearbeitenden Bodens kaum besiedelt oder landwirtschaftlich genutzt.

Hier finden Sie Ruhe für ausgedehnte Spaziergänge und Radtouren in großen Nutzwäldern mit engen Tälern und wasserreichen Bächen. Der Hertogenwald zwischen Eupen und dem Hohen Venn ist für ausgedehnte Wanderungen besonders empfehlenswert. Hier empfiehlt sich der Besuch des Hauses Ternell an der Grenze zum Hohen Venn, mit seinem kleinen Waldmuseum und seinem Veranstaltungsprogramm.

Drei Talsperren des imposanten Wasserreservoirs im Naturpark liegen im Vennvorland. Sie werden von zahlreichen Bächen mit Wasser aus dem niederschlagsreichen Venngebiet und der Rureifel gespeist. Trink- und Brauchwassergewinnung genießen hier absolute Priorität, daher sind hier Baden und Wassersport nicht erlaubt. Dafür werden Sie jedoch durch beeindruckende Landschaftsbilder mit ausgedehnten Wäldern und stillen Seen entschädigt.

In Eupen entstanden daher ab dem 16. Jahrhundert eine Textilindustrie, die die Schafwolle aus dem Eifel- und Venngebiet verarbeitete, später aber auch feinere Wolle importierte. Zu ihrer Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert gaben in Eupen 42 Fabriken nahezu 5000 Arbeitern Brot und Arbeit. Nach dem Niedergang der Textilindustrie im 19. Jahrhundert bestimmen heute die würdigen Patrizierhäuser der einstigen Fabrikanten das Bild der alten Straßenzüge des Grenzstädtchens.

Die Dreilägerbachtalsperre versorgt den südlichen Kreis Aachen bis ins niederländische Vaals mit Wasser aus dem Hohen Venn und der Rureifel. Über Bäche und unterirdische Stollen bezieht sie zusätzliches Wasser aus der Kalltalsperre, dem Rursee, dem Urftsee sowie der Oleftalsperre. Die Aufbereitungsanlage der Dreilägerbachtalsperre gewährt für Einzelpersonen bei einer Führung für Besuchergruppen auf Anfrage Einblick in ihre Technik.

 

Die Ortschaften in diesem Kulturlandschaftsraum Vennvorland sind Breinig der Stadt Stolberg  und Venwegen der Gemeinde Roetgen.

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